Der 9. Bezirk Alsergrund war nach dem 2. jener Bezirk mit dem
höchsten Anteil jüdischer BewohnerInnen in Wien. Dennoch gibt es
heute relativ wenige Plätze, an denen dieser Menschen erinnert
wird. Das Projekt Servitengasse 1938 ist eine vom Bezirk Alsergrund
unterstützte Initiative von Bürgerinnen und Bürgern die aktiv
Erinnerungsarbeit leisten wollen.
Ziel des Projektes ist es, im Dialog mit den BewohnerInnen eine
vielschichtige Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit in
Gang zu bringen. Hierfür wurden in einem Forschungsprojekt die
Schicksale der vertriebenen und ermordeten jüdischen Bewohnerinnen
und Bewohnern einer ganzen Gasse – der Servitengasse –
erforscht.
Wie die Recherchen zeigten, waren mehr als die Hälfte der
BewohnerInnen zum Zeitpunkt März 1938 jüdischer Herkunft. Doch wer
waren diese Menschen? Wo haben sie gearbeitet? Hatten sie Kinder?
Ist ihnen die Flucht vor dem NS-Terror geglückt oder wurden sie im
KZ ermordet? Gibt es Überlebende oder Nachkommen? Diese Fragen
bewegen die Gruppe.
Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und der Kontakt
zu Überlebenden stehen ebenso wie der Dialog mit den BewohnerInnen
des Grätzls im Vordergrund der Aktivitäten. Eine Buch über die
Forschungsergebnisse, ein Film über das Projekt, das Gedenksymbol
in der Mitte der Servitengasse und mehrere Veranstaltungen sind
Ausdruck dieses Bemühens.
Um andere ähnliche Projekte anzustoßen, kooperiert die Gruppe mit
Schulen, steht im Austausch mit anderen Gruppen und vermittelt das
Wissen auch an Volkshochschulen. In regelmäßigen Gruppentreffen
werden die Schritte koordiniert und aktuelle Themen und Vorhaben
diskutiert. Auch die Suche nach Überlebenden aus der Servitengasse
wird fortgesetzt.