Jüdische Nachbarschaft
Zur Einführung
Die Servitengasse im 9. Wiener Gemeindebezirk liegt
inmitten eines ehemals jüdisch-geprägten Viertels mit
einer Synagoge in der Müllnergasse, Bethäusern u.a.
in der Grünentorgasse und Nußdorfer Straße sowie dem
Altersheim in der Seegasse. Bis zum „Anschluss“ waren
jüdische und nichtjüdische Mieterinnen und Mieter
WohnungsnachbarInnen, oft waren mehr
als die Hälfte der HausbewohnerInnen jüdischer
Herkunft.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im
März 1938 und vor allem im Zuge des Novemberpogroms
kam es in ganz Wien zu Delogierungen. Von
HausbesitzerInnen oder NachbarInnen wurden die
jüdischen MieterInnen aufgefordert, ihre Wohnungen zu
räumen, per Gesetz mussten Jüdinnen und Juden ab
Frühjahr 1939 ihre Wohnungen verlassen. Mitunter
fanden sie Bleibe bei Verwandten oder Bekannten, die
bald selbst von Delogierungen
betroffen waren oder sie versuchten, in anderen
„Wohngemeinschaften“ Unterkunft zu finden. Nur
wenigen gelang in dieser Situation noch die Flucht
ins rettende Ausland.
Auf engstem Raum und bereits
größtenteils ihres Vermögens beraubt, mussten
Jüdinnen und Juden häufig mehrmals umziehen, bevor
sie in eine so genannte Sammelwohnung oder in ein
Sammellager eingewiesen wurden. Gerade das
Servitenviertel/ die Rossau wies
eine relativ hohe Anzahl von
Sammelwohnungen auf. Deren BewohnerInnen
waren zur Deportation bestimmt, sie mussten in der
Folge in Sammellager umziehen, von wo sie direkt zu
den Bahnhöfen gebracht und in KZ-Transporte
eingewiesen wurden. Ende 1942, nach den letzten
großen Deportationen aus Wien, galten die meisten
Mietshäuser in Wien als „judenrein“.