Das Projekt

wurde im Frühjahr 2004 gestartet und spürt den Schicksalen der vertriebenen und ermordeten jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern einer ganzen Gasse – der Servitengasse – nach. Ziel des Projektes ist es, dieser Menschen zu gedenken und die Erinnerung an sie durch ein sichtbares Symbol in der Öffentlichkeit und durch eine gemeinsame Erinnerungs- bzw. Vermittlungsarbeit in das Gedächtnis unseres Bezirkes einzuschreiben. 

Was wollen wir wissen? 

Was ist in unserer Wohnung, in unserem Haus, in unserem Bezirk mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern während der NS-Zeit passiert? Wer waren diese Menschen? Wo haben sie gearbeitet? Hatten sie Kinder? Ist den Menschen die Flucht vor dem NS-Terror geglückt oder wurden sie im KZ ermordet? Gibt es Überlebende oder Nachkommen?

Was soll mit dem Ergebnis geschehen? 

Ziel des Projektes ist es, im Dialog mit den BewohnerInnen eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit in Gang zu setzen. In die Vermittlungsarbeit einbezogen werden Schulen, die Volkshochschule sowie Vereine im 9. Bezirk.


Weiters werden die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Geschichte der Gasse und der Menschen, die hier einst wohnten, verknüpft mit den engagierten BewohnerInnen von heute, die eine Auseinandersetzung mit der Geschichte nicht mehr länger scheuen, werden in einer Publikation vorgestellt (Birgit Johler/Maria Fritsche (Hg): 1938 Adresse: Servitengasse. Eine Nachbarschaft auf Spurensuche. Wien: Mandelbaum 2007; ISBN 978385476-233-1). Schicksale von ehemaligen BewohnerInnen werden vorgestellt, Interviews, Fotos und Schreiben von Überlebenden oder Nachkommen ergänzen die dokumentarischen Quellen. Beiträge von ProjektmitarbeiterInnen bereichern das Buch um individuelle Zugänge. Dieses Buch ist jedoch mehr, als die Dokumentation der einzelnen Schicksale und des fruchtbaren Dialogs zwischen dem Gestern und Heute. Es ist auch eine Anregung, selbst danach zu fragen, wer im eigenen Haus, in der eigenen Gasse gewohnt hat und was mit diesen Menschen vor beinahe 70 Jahren passiert ist.

Im Frühjahr 2008 wird in der Servitengasse ein Gedenksymbol mit 462 Namen für jene Menschen enthüllt, die hier einst gelebt oder gearbeitet haben. Zu diesem Zweck wurde in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst ein Wettbewerb für StudentInnen ausgeschrieben. Der preisgekrönte Entwurf von Julia Schulz „Schlüssel gegen das Vergessen“ wird zur Realisierung gebracht.

Ein Film, gestaltet von Studenten der Filmakademie, hat das Projekt, die Erinnerungsarbeit der Projektgruppe und ehemalige BewohnerInnen der Servitengasse zum Thema („Unterm Alsergrund – Servitengasse 1938“. Regie: Tobias Dörr & Henry Steinmetz. Ein Werkstattprojekt der kurt mayer film 2006). Der Film konnte heuer im Rahmen der Jüdischen Kulturwoche in Paris gezeigt werden und fand großen Anklang.