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Servitengasse 1938. Spurensuche in der Nachbarschaft

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Enthüllung des Gedenksymbols am 8. April 2008
Der 9. Bezirk Alsergrund war nach dem 2. jener Bezirk mit dem höchsten Anteil jüdischer BewohnerInnen in Wien. Dennoch gibt es heute relativ wenige Plätze, an denen dieser Menschen erinnert wird. Das Projekt Servitengasse 1938 ist eine vom Bezirk Alsergrund unterstützte Initiative von Bürgerinnen und Bürgern die aktiv Erinnerungsarbeit leisten wollen.

Ziel des Projektes ist es, im Dialog mit den BewohnerInnen eine vielschichtige Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit in Gang zu bringen. Hierfür wurden in einem Forschungsprojekt die Schicksale der vertriebenen und ermordeten jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern einer ganzen Gasse - der Servitengasse - erforscht.

Wie die Recherchen zeigten, waren mehr als die Hälfte der BewohnerInnen zum Zeitpunkt März 1938 jüdischer Herkunft. Doch wer waren diese Menschen? Wo haben sie gearbeitet? Hatten sie Kinder? Ist ihnen die Flucht vor dem NS-Terror geglückt oder wurden sie im KZ ermordet? Gibt es Überlebende oder Nachkommen? Diese Fragen bewegen die Gruppe.

Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und der Kontakt zu Überlebenden stehen ebenso wie der Dialog mit den BewohnerInnen des Grätzls im Vordergrund der Aktivitäten. Eine Buch über die Forschungsergebnisse, ein Film über das Projekt, das Gedenksymbol in der Mitte der Servitengasse und mehrere Veranstaltungen sind Ausdruck dieses Bemühens.

Um andere ähnliche Projekte anzustoßen, kooperiert die Gruppe mit Schulen, steht im Austausch mit anderen Gruppen und vermittelt das Wissen auch an Volkshochschulen. In regelmäßigen Gruppentreffen werden die Schritte koordiniert und aktuelle Themen und Vorhaben diskutiert. Auch die Suche nach Überlebenden aus der Servitengasse wird fortgesetzt.

Servitengasse 1938. Searching for local traces

The 9th district, Alsergrund, had the highest percentage of Jewish inhabitants in Vienna after the 2nd district. Yet despite this, there are relatively few places today where these people are remembered. The project Servitengasse 1938 is a citizens' initiative, supported by the local council, which actively carries out memory work.

The project's aim is to initiate a many-layered discussion of our own past in dialogue with local residents. To this end, the fates of the persecuted and deported Jews of an entire street - the Servitengasse - were investigated in a research project.

The results showed that over half of the residents in March 1938 came from Jewish families. But who were these people? Where did they work? Did they have children? Did they manage to escape the Nazi terror or were they murdered in a concentration camp? Are there survivors or descendents? These are the questions motivating the group.

Commemorating the victims of National Socialism, initiating and maintaining contact with survivors, as well as dialogue with local residents, are at the heart of the group's activities. A book of the research results, a film about the project, a memorial in the centre of the Servitengasse and several events testify to these efforts.

In order to inspire similar projects, the group co-operates closely with schools, exchanges ideas with other groups and also passes on its knowledge through adult education courses. Activities are co-ordinated in regular group meetings, where current issues and future goals are also discussed. The search for survivors from the Servitengasse also continues.
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Das Gedenksymbol "Schlüssel gegen das Vergessen"
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